22.10.2015

„Ich fotografiere, ich dokumentiere – also bin ich“. EGO UPDATE.

In seiner Debüt-Ausstellung (19.9.15-17.1.2016) als künstlerischer Leiter des NRW-Forum Düsseldorf präsentiert Alain Bieber einen Mix aus Hoch- und Populärkultur.

„Ich fotografiere, ich dokumentiere – also bin ich“. EGO UPDATE. Die Zukunft der digitalen Identität dreht sich um das Phänomen „Selfie“ und thematisiert, wie sich die Grundfrage der Menschheit „Wer bin ich?“ unter dem Einfluss digitaler Medien ausprägt, verändert und weiterentwickelt. Wie greift das digitale und technologische Weltgeschehen in die menschliche Identität ein – und was für eine Gesellschaft wird am Schluss dabei herauskommen? Wie werden unsere Identitätsvorstellungen und Wünsche durch digitale Kommunikation geprägt oder erschaffen?

EGO UPDATE. Die Zukunft der digitalen Identität liefert mit 23 internationalen und nationalen Positionen Denkanstöße und mögliche Antworten; beteiligt sind: Kim Asendorf, LaTurbo Avedon, Evan Baden, Arvida Byström, Kurt Caviezel, Robbie Cooper, Heather Dewey-Hagborg, MC Fitti, Alison Jackson, Erik Kessels, Florian Kuhlmann, Dafna Maimon, Netro, Onformative, Ontheroofs, Martin Parr, Evan Roth, Andreas Schmidt, Guido Segni, Oliver Sieber, David Slater, Amalia Ulman und Jonas Unger. Das filmische Begleitprogramm stellen Stéphane Degoutin und Gwenola Wagon, Janez Janša, Nicolas Ritter, Stéphane Carrel, Lutz Mommartz und Lynn Hershman Leeson.

Die Gruppenausstellung ist vom 19. September 2015 bis 17. Januar 2016 im NRW-Forum Düsseldorf zu sehen. Sie ist die erste kuratorische Arbeit von Alain Bieber als künstlerischer Leiter des Hauses und ein Kooperationsprojekt mit dem Goethe-Institut.

Selfies – 25 Millionen Deutsche machen die fotografischen, auf Armeslänge eigens aufgenommenen Selbstporträts. „Selfie“ wurde 2013 zum englischen Wort des Jahres gekürt. Und 2014 erhob das Time magazine: Düsseldorf ist die Selfie-Hauptstadt der Bundesrepublik. Die nordrhein-westfälische Landeshauptstadt landet im internationalen Vergleich auf Platz 136 – weit vor Berlin oder Hamburg.

Aus der Grundfrage der Menschheit „Wer bin ich?“ leitet sich die Frage „Wer will (oder: soll) ich sein?“ ab. Diese Frage beschäftigt Philosophie, Wirtschaft, Moral, Theologie wie Politik gleichermaßen und sie materialisiert sich in gesellschaftlichen, politischen und kulturellen Ausdrucksformen. Das Selbstbild ist im Netz wesentlich bestimmbarer als in vordigitalen Zeiten. Das digitale Ich ist agil, aktiv – und kreativ. Und es wird immer künstlerischer: Im Selfie wird das Real Life wie auf einer Bühne inszeniert, auf Twitter tummeln sich Aphorismen und Aperçu, in Internetvideos finden sich Monologe, Tanzvorstellungen, Performances und Internet-Memes setzen Bilder durch das Hinzufügen von Text in einen anderen Kontext. Jeder ist in der Lage, sein virtuelles Wunschbild zu schaffen. Zeitgleich existiert gerade im digitalen Kulturraum das Bedürfnis danach, als „man selbst“ zu sprechen. Das wahre Ich kann der Versuchung nicht widerstehen und gibt sich öffentlich preis – Problematiken des Datenschutzes, der Persönlichkeitsrechte ignorierend oder hinnehmend.
Zur Ausstellung auf www.nrw-forum.de